Südliches Afrika 2005 – 1. November – von Etosha zum Kawango

Dienstag, 25. Oktober, 44. Tag

Am Morgen hören wir das bekannte Motorengeräusch des alten Landys. Viel ist seit gestern repariert worden. Ein bisschen Motorein- und ausbau in wenigen Stunden war da schon dabei.
Wir setzen unseren Weg gemeinsam zum Etosha Nationalpark fort. Gegen Mittag erreichen wir den Parkeingang und das Rastlager Okaukuejo. Im Gegensatz zum letzten Jahr bekommen wir am Wasserloch das volle Programm geboten: 3 Elefanten, unzählige Antilopen, Zebras und Vögel. Insgesamt mehrere hundert Tiere. Nach diesen ersten tollen Eindrücken fahren wir nach Halali. Auf dem ca. 75 Kilometer langen Weg dorthin fahren wir einige Wasserlöcher an. Auch dort gibt es viel zu sehen: Giraffen und Zebras, Kudus und andere Antilopen.
Im Osten verdunkelt sich der Himmel. Eine weiße Wand aus Sand fegt uns entgegen. Innerhalb von wenigen Minuten schüttelt uns ein kräftiger Sandsturm durch, gefolgt von einem kurzen Regenschauer.
Am frühen Abend erreichen wir das Camp Halali.
Wir haben noch immer mit dem starken Wind zu kämpfen, der plötzlich durch das Camp fegt und uns die Sicht nimmt. Die frisch gewaschenen Klamotten auf der Leine sind nach wenigen Augenblicken völlig eingestaubt.

Thomas & Silvana

Mittwoch, 26. Oktober, 45. Tag

Hitze in der Nacht. Vor wenigen Tagen froren uns in den Schlafsäcken die Füße und jetzt ist es so heiß, dass wir höchstens einen leichten Baumwollschlafsack benutzen. Zudem ist es im Landy um einige Grad wärmer, da der Kompressor der Kühlbox noch Wärme abgibt, sowie der heiße Getriebetunnel nur langsam abkühlt. 30 Grad sind es nachts bestimmt im Auto.
Wir fahren langsam Richtung Namutoni, halten an einigen Wasserlöchern, bekommen aber außer bereits gestern gesichtetem Getier nichts außergewöhnliches zu sehen. Keine Löwen, Nashörner oder Leoparden.
Abendlicher Sandsturm im Camp, dass von vielen Overlandern belagert wird. In großen Allradbussen, teilweiße mit Anhängern, überdimensionalen Fenstern und sehr oft unüberhörbar, reisen so verschiedene Gruppen durch das Land. Durchschnittlich 14 Tage Campingurlaub mit allen Highlights des Landes, Zelten und Gemeinschaftsküche. Wir haben es da leichter und stressfreier. Wenn wir gegen acht Uhr aufstehen, sind die meisten Busse schon weg.

Thomas

Donnerstag, 27. Oktober, 46. Tag

Overlander stehen zwischen 5 Uhr und 7 Uhr auf. 50 – 70 Mann packen lärmend ihren Kram zusammen, der Fahrer lässt schon mal zwei Stunden vor Abfahrt den Motor an.
Wenn sich die Busse lärmend davon machen und sich der Staub langsam legt, bleiben überfüllte Mülleimer zurück sowie Toiletten, die man nicht mehr benutzen sollte.
Auf dem Weg zum letzten Loch vor dem Parkausgang meinen wir einen Leoparden im Gebüsch zu sehen. Doch er ist nur Sekunden lang zu sehen und dann wieder im Busch verschwunden.
Kurz hinter dem Parkausgang besuchen wir die Mokuti Lodge. Uns interessiert nicht die Luxusherberge mit Pool Bar und teuren Häusern, sondern die Reptilienfarm auf dem Gelände.
Dort sehen wir das Getier, was wir sonst in freier Natur nicht unbedingt sehen müssen: Puffottern, Kobras, speiende, giftige und würgende Kreaturen, die auch in ihren Terrarien und in sicherem Abstand furchterregend sind.
Weiter geht es über Teerpad nach Tsumeb. Dort kaufen wir ein und fahren weiter in Richtung Grootfontein. Bis Rundu schaffen wir es heute doch nicht mehr. So biegen wir zum Maori Camp ein. Positiv im Reiseführer beschrieben, handelt es sich um eine Farm eines deutschen Ehepaares.
Der Hausherr, Peter Reimann, begrüßt uns auch schon bald, erzählt ein bisschen von seiner Farm und dem Campingplatz und ist auch schon bald wieder verschwunden.
Gemütlich ist es hier. Jeder Stellplatz hat seinen überdachten Tisch, alles ist aus Holzpfählen gebaut, Paula hat Auswahl zwischen 3 richtigen Holzschaukeln, die nicht verrostet und kaputt herunterhängen. Wolfgang und Thomas lassen sich von den großen, stabilen Schaukeln sogar zu einem Schaukel-Weitsprung-Wettbewerb hinreißen, sehr zum Amusement aller Zuschauer.

Je öfter der Farmer zu unserem Platz kommt und uns mit Informationen versorgt, desto mehr erfahren wir über ihn und seinen Grund, nach Namibia auszuwandern. Als Sozialrichter in Darmstadt hat er sich vor drei Jahren, und mehreren Besuchen in Namibia, überlegt, hier eine Farm zu kaufen. Mit allen Vorteilen aber auch mit allen Nachteilen, die man in Deutschland nicht kennt.

Thomas & Silvana

Freitag, 28. Oktober, 47. Tag – Sonntag, 30. Oktober 49. Tag

Die Tage vergehen schnell auf Maori. Drei Tage verbringen wir auf der Farm. Die Hunde, die uns bei unserer Ankunft noch angebellt haben, lassen sich von uns streicheln. Paula hat ihren Lieblingshund, Klara (die noch recht junge Mama der anderen Hunde), gefunden. Die beiden schleppen und ziehen sich gegenseitig über das Farmgelände. Den Skorpion vor dem Toilettenhaus haben die Hunde irgendwann gefressen. Mittlerweile schon ´per du´, führen uns Peter und seine Frau Conni über ihr Farmgelände. Sie bauen Zitrusfrüchte und Bananen, Avocados und alle Art von Gemüse an, die sie dann verkaufen.
Das Leben ist hart und nicht einfach. Nicht nur beim Anbau der Pflanzen oder der Tierhaltung entstehen ortsbedingte Probleme, sondern auch im Umgang mit der Bevölkerung, der erst erlernt werden muss. Nun befinden sich die beiden in ihrem 3. Jahr und können schon einiges an Erfahrung aufweisen.
Nach Deutschland zurück wollen sie nicht mehr.
Wolfgang und Anette bleiben noch eine weitere Nacht. Ein platter Reifen sowie ein kaputtes Türschloss zwingt sie zum bleiben, damit sie morgen in Grootfontein Ersatz bekommen.
Wir fahren endlich weiter nach Norden. Wir wollen heute noch in Rundu ankommen. Auf der Karte ist das ein Strich von 250 Kilometer Länge.
100 Kilometer nördlich von Grootfontein versperrt ein Veterinärzaun mit Kontrolle uns den Weg. Hier beginnt das richtige Afrika. Seit Wochen kennen wir nur Farmland oder einsame Wildnis mit den bekannten Touristenattraktionen; hier oben erleben wir das typische Afrika zum ersten Mal. Sofort hinter dem Zaun leben die Menschen in einfachen Hütten neben und auf der Straße. Unvermittelt überqueren Ziegen und Kühe die Straße. Kinder rollen Reifen vor sich her, Frauen tragen Brennholz auf ihren Köpfen und bieten sie am Straßenrand zum Verkauf an.
Die Zäune entlang der Straße sind verschwunden, kein Farmland mehr, sondern dichter Busch, hohe grüne Bäume und dazwischen die Hütten aus Lehm und Stroh.
Die Autos der Touristen mit ihren Dachzelten sind weniger geworden. Stattdessen fahren alte Pick-Up´s überladen mit Menschen und ihrem Hab und Gut qualmend und stinkend vor uns her.
Für uns ist diese Situation noch ungewohnt. Wir werden uns aber schnell daran gewöhnen, denn von hier bis Nordafrika wird sich das Bild kaum ändern.
Wir erreichen Rundu an der angolanischen Grenze. Auf den ersten Blick ein chaotischer Ort; staubige Straßen, Menschengewirr.
Wir übernachten im Camp der Sarasungu Lodge direkt am Kavango, dem Grenzfluss nach Angola. Auf der anderen Seite des Flusses ein Dorf, Ziegen laufen umher, kleine Kinder baden im Fluss. Den ganzen Abend hören wir Musik und Gezeter, ein ständiges Trommeln kommt vom Fluss herüber.

Thomas & Silvana

Montag, 31. Oktober, 50.Tag

Es war wieder entsetzlich schwül in der Nacht. Zum Glück halten sich die Mücken in Grenzen. Vor der großen Malariaattacke brauchen wir uns nicht zu fürchten.
Wir befinden uns im Nordosten Namibias und wollen heute in die Caprivi-Region. Der schmale Caprivistreifen zieht sich 400 Kilometer nach Osten bis kurz vor die Victoriafälle, wo sich Namibia, Botswana, Zambia und Zimbabwe treffen.
An den Popa-Fällen biegen wir nach rechts ab, weil wir von hier nach Botswana wollen, um entgegen dem Uhrzeigersinn einmal um das Okavango-Delta zu fahren. Irgendwann nächste Woche sind wir wohl an den Victoria-Fällen und müssen von dort wieder zurück nach Kapstadt. Bis dahin ist es noch weit.
Zwischenstopp südlich der Popa-Fälle auf der Mahangu Lodge. Unser Camp liegt auch hier direkt am Okavango. Zur Begrüßung sehen wir zwei Hippos in der Flussmitte. Träge liegen die massigen Körper im Wasser; ab und zu zeigt einer der beiden seinen großen Kopf. Wir sind noch nicht so richtig überzeugt, ob die beiden Gesellen echt sind oder vielleicht nur aus Plastik.

Thomas

Dienstag, 01. November, 51.Tag

Die Flusspferde und Elefanten haben letzte Nacht wenige Meter von uns am Ufer einen riesigen Radau gemacht. Schmatzend, brüllend und durch das Schilf stampfend haben sie uns oft aufhorchen lassen. Am Auto waren sie nicht, aber möglich wäre es gewesen.
Wolfgang und Anette sind wieder da; wir bleiben noch einen Tag hier.
Am Nachmittag unternehmen wir eine Bootstour auf dem Fluss. Der zweistündige Sundowner-Trip verspricht Hippo-Garantie.
Nach wenigen Minuten auf dem Fluss sind wir mitten in einer Herde von Hippos. Einige der Kolosse tauchen bei unserer Ankunft ab, andere beäugen uns misstrauisch, grunzen und schnauben, als wenn sie sagen: Kommt nicht näher, wir sind stärker.
Unser Bootsmann führt vorsichtig unser Boot an der Herde vorbei, immer die größten und aggressivsten Bullen im Blick. Ein Boot der Nachbarlodge sei einmal attackiert worden. Das komme aber höchst selten vor. Man weiß aber nie, ob ein Bulle der uns im Blick hat und abtaucht, seinen unsichtbaren Tauchgang in Richtung Boot nimmt oder einfach nur verschwindet.
Langsam fahren wir Flussaufwärts. Wir sehen Elefanten am Ufer, Fischadler in den Bäumen und ein riesiges Krokodil, dass wenige Meter vor uns laut platschend im Wasser verschwindet.
Sonnenuntergang auf dem Fluss. Der Motor ist abgestellt, flüsternd unterhalten wir uns und lauschen in die Stille.

Thomas

3 thoughts on “Südliches Afrika 2005 – 1. November – von Etosha zum Kawango

  1. Anonym

    Hallo ihr drei Süßen

    Habe schon sehnsüchtig auf einen neuen Bericht gewartet. Freu mich immer tierisch, was neues von euch zu lesen! Hier wird es langsam herbstlich. Die Blätter sind schon fast komplett von den Bäumen gefallen, morgens nebelt es ungemein. Gestern war zwar nachmittags die Sonne da, aber heute schon nicht mehr. Wetterbericht sagt kühlere Temperaturen an…. könnt ihr mir nicht ein paar Grad per mail rüberschicken? Ihr würdet sie nicht vermissen und uns wäre etwas wärmer *g*
    Liebe Grüße und weiterhin viel Spaß

    Xantina

  2. Anonym

    Hallo, Thomas und Familie,vielen Dank für Ihre anschaulichen Berichte – und dass wir daraus immer mal wieder entnehmen können, wie es Anette und Wolfgang mit ihrem klapperigen Landy so geht. Die selber bringen ja im Momemt kaum was rüber.
    Weiterhin alles Gute.
    Anette´s Eltern

  3. Bernie

    Hallo ihr drei/fünf,

    super wieder von euch was zu lesen. mein neid wächst von tag zu tag 😉

    ich freue mich schon sehr auf eure rückkehr und die noch ausführlicheren berichte, wünsche euch aber weiterhin ne tolle tour und hoffe das der landy weiter so tapfer durchhält.

    viele grüße

    bernie

    ps: herbst 2006 ist abfahrt – transafrica fndet statt!!!

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